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28. Dezember 2009 1 28 /12 /Dezember /2009 11:51

  

Immer wieder erhalten wir Anfragen von treuen Lesern unseres Blogs bez. Ausrüstung und Bekleidung für Winterfahrten. Die wichtigsten Punkte haben wir in folgendem Beitrag zusammen gefasst.





Hommage an den Winter

 

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Die meisten Motorräder haben Winterferien. Aber nicht allen Maschinen wird die Ruhepause gegönnt. Im Gegenteil: Überzeugte Winterfahrer sind bei jedem Wetter unterwegs und finden das auch noch toll. Was reizt sie, bei Schnee und Kälte ihre Bikes aus der Garage zu schieben und den warmen Kachelofen mit einem mickrigen Lagerfeuer einzutauschen.

 

 

Der Faszination am Motorradfahren im Winter erliegt man. Rationale Gründe gibt es nicht dafür. Alle Gegenargumente wie mit Salz gepökelte Straßen, die Gefahr möglicher Schnee- und Eisglätte und die der Gesundheit nicht gerade dienliche Kälte sind richtig und lassen sich nicht entkräften. Aber das Wintererlebnis ist stärker und nachhaltiger. Es ist wie eine Sucht. Man muss den Schnee unter den Reifen spüren, die Schneeflocken schmecken und die Kälte fühlen. Vielleicht lässt sich die Leidenschaft durch nachfolgende Erzählung erklären.

„Das Thermometer fiel nachts auf bodenlose minus 25 Grad. Die Luftfeuchtigkeit erstarrte bei dieser Kälte zu Kristallen. Im geisternden Licht des Scheinwerfers hatte man den Eindruck, als fielen Millionen von kleinen Diamanten vom Himmel. Griff man nach ihnen, so hatte man nur winzige Wassertropfen in der Hand, als wolle uns die Natur damit sagen, dass man sie in allen ihren Facetten erleben soll. Durch Begreifen verliert sie an Faszination.“

 

 

Vorbereitung

 

Öl

Der entscheidende Faktor beim Motoröl ist die Viskosität. Die Viskosität des Öls ist stark von der Temperatur abhängig. Die Viskositätsangabe ist ein Index für die Zähflüssigkeit (Fließverhalten) des Öls bezogen auf eine bestimmte Temperatur. Mehrbereichsöle gewähren über einen größeren Temperaturbereich ein besseres Fließverhalten. 

Hommage5Die modernen synthetischen Öle bieten einen sehr großen Viskositätsbereich, zum Beispiel Castrol FormulaRS 0W-40 oder Formula RS Racing 10W-60. Für uns Winterfahrer sind die Öle von Bedeutung, bei denen die Viskositätsklassen 0 bis 20 (Winteröl gem. Definition Shell) vorkommen, also zum Beispiel 0W-30.

 

Wie die Erfahrung zeigt, ist der Wechsel auf ein Winteröl bei geringen Frosttemperaturen nicht zwangsläufig nötig. Mit einer guten Batterie und korrekt eingestelltem Motor springt die Mühle auch an. Kritischer wird es, wenn Nachttemperaturen von minus 10 Grad und mehr für klirrende Kälte sorgen und das Öl zu einer zähflüssigen Suppe stockt. Hier kommen die Vorteile modernen Leichtlauföle bzw. Winteröle zum Tragen.

Bei Motoren mit Ölbadkupplung wird mit dem Motoröl auch das Getriebe geschmiert. Diese Öle haben eine höhere Scherfestigkeit als reine Motorenöle aus dem Automobilbereich. Allein schon deswegen sollte man ein Motorradöl verwenden.

Leichtlaufölen sind sogenannte Reibwertminderer beigemischt. Um ein Kupplungsrutschen auszuschließen, fordern die japanischen Hersteller einen Test nach der sogenannten JASO/MA-Spezifikation. Dieser Test schließt Kupplungsrutschen aus. Wie uns Castrol und Shell Advance mitteilte, sind alle Motorradöle nach dieser Spezifikation geprüft. Gemäß den technischen Profilen ist ein Motoröl der Viskosität 10W 40 bei minus 20 Grad noch pumpbar. Für mitteleuropäische Verhältnisse sollte das ausreichen. Für nordische Klimabedingungen empfehlen wir jedoch das Öl Powersynt 5W 40 von der Firma Motorex. Ein Öl der Klassifizierung 5W ist bis minus 30 Grad noch pumpbar. Zudem ist das Motorex-Öl auch nach der JASO/MA-Spezifikation geprüft.

 

 

Reifen

Für Solomaschinen gibt es bis auf die wenigen Größen von Heidenau kaum spezielle Winterreifen. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum viele Motorradfahrer mit drei Rädern im Winter unterwegs sind. Für ältere Gespanne mit der seligen Entenbereifung 125/135 R 15 ( GL 1000/1100/1200) bekommt man Winterreifen in Form des Michelin X M+S bei der Firma Oldtimerservice in Holzkirchen. Alle anderen gängigen Größen hat ein gut sortierter Reifenhändler auf Lager. Reifentests der geläufigen Autozeitschriften können bei der Wahl eines Reifens durchaus als Referenz dienen. Wer eine Reise in den hohen Norden plant, sollte auf Spikereifen nicht verzichten.

 

 

Anfahrhilfen

Bei Gespannen ist die Montage von Schneeketten in der Regel kein Thema. Für Solomaschinen gibt es entsprechende Anfahrhilfen auf dem Zubehörmarkt. Die Firma MV-Motorrad - Technik GmbH hat eine Art Schneekralle entwickelt, die mit Gurtband am Rad montiert wird. Die schneeglatte Einfahrt zum Elefantentreffen verliert mit diesem System ihren Schrecken. 

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Elektrik

Eigentlich sollte die Elektrik der modernen Motorräder keine Probleme bereiten. Aber die ständige Berieselung mit Salzwasser kann auch jede Bike-Elektrik lahm legen. Eine Dose Kontaktspray sollte immer an Bord sein. Im Vorfeld sollte man alle Steckverbindungen kontrollieren und soweit möglich abdichten. Eine frische Batterie beugt Startproblemen an kalten Tagen vor.

 

Kühler

Das Kühlmittel muss mit Frostschutz versehen sein. Für europäische Temperaturen reicht das vom Hersteller angegebene Mischungsverhältnis. Für Skandinavienfahrer empfiehlt sich der Einbau einer Wasserheizung. Pkws in Skandinavien sind mit dieser Heizung ausgestattet, die an das normale 220-Volt-Stromnetz angeschlossen werden. Die Heizung erleichtert die Startprozedur. Der Kaltstartverschleiß wird minimiert. Weitere Informationen über diese Kühlwasserheizungen bekommt man beim örtlichen Bosch-Dienst.

 

 

Ausrüstung Fahrer

Das Motorrad haben wir nun soweit vorbereitet. Aber auch der Fahrer muss gegen den eiskalten Fahrtwind gewappnet sein. Durch den so genannten Chillfaktor empfindet man eine tatsächliche Temperatur von zum Beispiel minus 5 Grad bei mäßigem Wind schon als minus 20 Grad. Und wer würde behaupten, eine gefahrene Geschwindigkeit von 80 km/h ist nur ein mäßiger Wind.

 

Bekleidung

Als Unterwäsche empfehlen wir warme Fleece-Wäsche. Damit haben wir im letzten Winter sehr gute Erfahrungen gemacht. Der dänische Berufsbekleidung-Hersteller Mascot verarbeitet für seine Produkte Thermax. Dieses Material absorbiert Feuchtigkeit vom Körper. Thermax hat sehr hohe Isolationseigenschaften und eignet sich deswegen vor allem für sehr kalte Tage. Mascot hat ein komplettes Sortiment im Programm. Der Vorteil für uns Motorrad-Fahrer sind die günstigen Preise gegenüber vergleichbaren Produkten der Outdoorbranche. Als zweite Lage empfehlen sich ebenfalls Wäschestücke aus Fleece, zumindest aber aus atmungsaktiven Materialien. Nur wenn die Körperfeuchtigkeit von der Haut abtransportiert werden kann, hat man ein wohliges Wärmegefühl.

Als Überanzug sind alle hochwertigen Textilkombinationen mit Membrane geeignet. Die einteilige Kombi Husky der Firma Motoport ist zwar nicht atmungsaktiv, für reichlich Minusgrade aber dennoch eine Lösung. Aber der Husky hat ernsthafte Konkurrenz.bekommen. Die Firma A4 bietet einen zweiteiligen Thermoanzug an. Der Kombi hat ein Obermaterial aus schwerem 600-D-Polyester. Darunter findet sich eine wasserdichte Membran. Ein Argument für Gespannfahrer: Der Frontreißverschluss der Jacke öffnet nach links. Die Wärmeisolierung übernimmt eine 240-g/qm-Polyester-Wattierung. Jacke und Hose können mit einem Reißverschluss verbunden werden. Der Ärmelabschluss ist weit geschnitten, um darunter Handschuhstulpen zu verstecken. Jacke und Hose haben einen Wasserablauf am Saum, um Wassersäcke zu verhindern. Beide sind zudem mit CE-Protektoren ausgestattet, wobei die Knieprotektoren eingestellt werden können. Interessant ist auch der Preis: Als Set kosten Jacke und Hose um die200  Euro, wobei die Größen der Hose und Jacke individuell zusammengestellt werden können.

 

Hommage2Schuhe

 

Normale Leder- oder Motorradstiefel sind für den Winter völlig ungeeignet. Bewährt bei Minusgraden haben sich so genannte Musherboots der Firmen Sorel oder Kamik. Sie bestehen aus Kautschukmaterial, das auch bei Kälte flexibel bleibt. Der Außenschuh hat eine gedämmte Sohle. Das Außenmaterial des Oberschuhs ist abhängig vom Modell aus Leder oder Cordura gefertigt. Für die Wärmeisolation sorgt ein dicker Filzinnenschuh. Die Dicke des Filzes bestimmt, bis zu welchen Minusgraden die Schuhe geeignet sind. Einen gravierenden Nachteil haben diese Schuhe: Sie sind oftmals nicht wasserdicht – also für mitteleuropäische Wetterverhältnisse schlecht geeignet.

Hier hat die Firma Kamik mit den Modellen Hunter und Icebreaker Alternativen im Programm. Der Schuh hat einen hohen Schaft aus wasserdichtem gummiähnlichem Material. Die Wasserdichtigkeit und somit warme Füße sind also auch an Regentagen gewährleistet. Die Wärmeisolation übernimmt ein 8-Millimeter Innenschuh mit Thermofolie aus Filz. Der Komfortbereich liegt laut Hersteller bei bis zu minus 40 Grad. Wir empfehlen, diese beiden Kamik-Modelle unbedingt anzuprobieren. Im Wadenbereich sind die Stiefel relativ eng und bei Motorradfahrern mit Waden eines Fußballprofis könnte es knapp werden.

Mit den dicken Stiefeln wird die Schaltarbeit erschwert. Der Fuß passt nicht mehr unter den Schalthebel. Lösungen wären das Höherlegen des Schalthebels oder die Anfertigung eines speziellen Winterschalthebels.

 

 

Handschuhe

Sind bei Nieselregen knapp über dem Gefrierpunkt nach stundenlanger Fahrt die Hände noch warm, sprechen wir von einem wintertauglichen Handschuh. Minusgraden mit dicker Isolation zu begegnen ist keine Kunst. Das Geheimnis liegt in der richtigen Kombination der Materialien und der Konstruktion des Wärmspeichers. Handschuhe sind heute aus Leder und Cordura oder der Kombination beider Materialien gefertigt. Die Wasserdichtigkeit wird durch eine innen liegende Membran erreicht. Bis hierher sind sich die Hersteller einig, aber bei der Wärmeisolation gehen sie getrennte Wege. In den letzten Jahren wurden Dämmstoffe wie Thinsulate oder Thermolite verarbeitet. Unter dem Label Primaloft drängt ein neues Isolationsmaterial auf den Markt. Durch die Auswahl hauchdünnen Mikrofasermischung entsteht ein unglaublich weiches Wärmeisolationsmaterial. Es ist so leicht, dass man es auf die Hand gelegt nicht spürt. Die Firmen Bering, BMW, Held, Racer und Spidi haben Primaloft bereits in ihren Bekleidungskollektion verarbeitet. Einen guten Eindruck haben vom den Winterhandschuhen mit Primaloft-Isolierung der Firma Held.

In dralle Winterhandschuhe eingepackte Hände erschweren die Bedienung der Lenkerarmaturen. Stecken diese zudem noch in Lenkerstulpen, empfehlen wir die Schalter- und Hebelbedienung bereits vor der ersten Fahrt auszutesten. Die Betätigung des falschen Schalters kann fatale Folgen haben. Links blinken und rechts abbiegen ist da noch harmlos. 

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Ein Handschuh, der die ganze Palette an Hightech-Materialien eingearbeitet hat, kann noch so gut sein. Aber  gegen einen Sturm von 100 km/h bei 20 Minusgraden ist die beste Isolation auf Dauer machtlos. Als wirksames Mittel gegen den Fahrtwind haben sich Handschützer und Lenkerstulpen bewährt.

Sie gehören zur Standardausrüstung jeder Wintertour. Wichtig bei Lenkerstulpen ist die Abdichtung am Lenker. Bei billigen Universallenkerstulpen muss oftmals erst die Passgenauigkeit am Lenker (Bremsflüssigkeitsbehälter usw.) mit einer Schere angepasst werden. Die Befestigung mit Riemen ist auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Irgendwo zieht es dann immer rein.

Professionelle Lenkerstulpen führen weit über den Lenker, sind innen gefüttert und so weit geschnitten, dass die Betätigung der Hebel und Lenkerarmaturen nicht beeinträchtigt wird. Die Fixierung gegen Verdrehen erfolgt über eine Aussparung, die für die Rückspiegel vorgesehen ist. Größtes Manko fast aller Lenkerstulpen: Sie sind nicht stabil. Mit zunehmendem Fahrtwind können sie auf die Lenkerhebel drücken. Ein schneller Griff zur Handbremse oder Kupplung kann dann problematisch ausfallen.

 

 

Heizbekleidung

Mittlerweile nehmen auch die Motorradhersteller zur Kenntnis, dass immer mehr Motorradfahrer zwischen November und März unterwegs sind. Das Fahren im Winter fasziniert, vor allem mit der richtigen Ausrüstung. Heizbare Motorradanzüge bieten in Europa zwei Firmen an: Gerbing in den Niederlanden und Sonhart in Deutschland. Die Anzüge entsprechen einem Textilkombi mittlerer Qualität. Eingearbeitete Heizdrähte sorgen für wohlige Wärme. Beide Firmen bieten Komplettlösungen an, also von der heizbaren Hose, der heizbaren Unterjacke bis zu heizbaren Handschuhen. Vor der Anschaffung müssen die Verbrauchswerte der Heizklamotten mit der Leistungsfähigkeit der Lichtmaschine der Gold Wings gegenüber gestellt werden..

Die sinnvollste Investition sind sicherlich Heizhandschuhe. Anbieter sind die Firmen baehr, Softline, Gerbing oder Sonhart. An den Händen friert man zuerst. Es ist kein Winterfahrerlatein, dass kalte Hände das Reaktionsvermögen gehörig einschränken. Die Sicherheit beim Fahren ist oberste Priorität.

Für Dampf in den Stiefeln sorgen heizbare Einlegesohlen der Berliner Firma Softline. Dort hat man sich generell über heizbare Bekleidung für Winterfahrer Gedanken gemacht und ein mobiles System entwickelt. An tragbare Akkus können alle Softline-Stromverbraucher angeschlossen werden.

 

Generelle Tipps

   Viele Informationen, Tipps, Bastelanleitungen und wunderschöne Winter-Reiseberichte sind in dem Buch WINTERFAHRER erschienen.  Dort findet man auch eine riesige Adressenübersicht über alle Hersteller und Lieferanten winterspezifischer Bekleidung und Ausrüstung für Fahrer und Maschine.

 

Eine Winterreise mit dem Motorrad ist sicherlich eine Herausforderung an Mensch und Material. Wer sich dieser Aufgabe stellt, wird mit unvergesslichen Eindrücken und Erlebnissen belohnt. Die Saisonkennzeichen-Besitzer warten sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen. Die Winterfahrer sind unterwegs und erleben die Geschichten, aus denen Mythen entstehen.

mf

 

 

 

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